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Search Inside Yourself – Achtsamkeit & Präsenz am Arbeitsplatz

Am Mittwochabend (29.05.) war ich mal wieder bei TheDive zu Besuch. Dieses Mal hatten Sie Mounira Latrache & Angel Hernandez (Connected Business) zum Thema „Search Inside Yourself“ geladen.

Das Event begann mit einer kurzen Vorstellung von Mounira und Angel. Sie – in der Business Welt groß geworden – hat bei Google mit einer täglichen Meditationsrunde eine kleine Bewegung ausgelöst (am Anfang kam keine Person, irgendwann waren es 800). Angel kommt nicht aus der Unternehmenswelt, ist Ingenieur, hat sich mal eine fünfjährige Auszeit genommen und möchte Achtsamkeit nun tief in die DNA von Unternehmen bringen.

Search Inside Yourself – Was, Warum & Wozu?

Dann der thematische Einstieg: Search Inside Yourself ist ein Programm, das bei Google ausgetestet und entwickelt wurde (allerdings mittlerweile nicht mehr in „Google Hand“ ist). Hintergrund der Methode: Viele von uns sind nicht im Hier und Jetzt – weder auf Arbeit noch in der Freizeit. Mails, Termine und – ja selbst – Hobbies stressen uns mittlerweile. Immer wieder wird gesagt, alles wird komplexer, schneller, mehr (Stichwort VUCA-Welt volatility ‚Volatilität‘, ‚Unbeständigkeit‘, uncertainty ‚Unsicherheit‘, complexity ‚Komplexität‘ und ambiguity ‚Mehrdeutigkeit‘). Wir sind überlastet, laufen mit unserem Autopiloten durch das Leben, ohne bewusst zu reflektieren, wie es uns eigentlich gerade geht. Wir handeln oft nach bestimmten, uns bekannten Mustern, sind abgelenkt oder mit unseren Gedanken in der Zukunft bzw. Vergangenheit. 

search-inside-yourself-autopilot

Search Inside Yourself hat zum Ziel, uns in die Gegenwart „zurückzuholen“ – Präsenz, im Hier und Jetzt sein, das will das Programm. Empathie sowie emotionale Intelligenz spielen dabei eine große Rolle, diese sollen entwickelt und gefördert werden auf individueller-, Team- und organisationaler Ebene. „Ein Schwerpunkt des Programms liegt in der Stärkung der emotionalen Kompetenz: Wenn wir deutlicher mitbekommen, wie es uns selbst geht, werden wir auch besser darin, andere zu verstehen. Dann sind wir nicht nur kognitiv präsent, sondern verstehen auch auf emotionaler Ebene, was gerade passiert.„(vgl. Neue Narrative Magazin, Heft #3, S. 72).

Doch wie soll das gehen bzw. geht das überhaupt? Mounira und Angel sagen deutlich: JA! Sie liefern wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass sich emotionale Intelligenz trainieren lässt, dass unsere Intuition oft schon vor unserem Verstand körperliche Signale sendet (die wir gelernt haben zu ignorieren) und dass wir mit Meditation leichter abschalten können.

In den praktischen Übungen an diesem Abend sieht das wie folgt aus:

    1. Stille Minute zu Meetingbeginn (3x Durchatmen, Körper entspannen)
    2. Achtsames Zuhören
      1. kleiner Kniff: Wir arbeiteten in 2-er Teams. Erst sprach Person A dann Person B. In der ersten Runde hörten wir uns NICHT zu – drehten uns weg, saßen am Handy. Dann eine kurze Pause: 3x Atmen, gedanklich eine Gemeinsamkeit mit dem Gegenüber finden und dem*der Gegenüber gedanklich etwas Gutes wünschen. In Runde 2 hörten wir aktiv zu – also eine Person spricht, die andere hört nur zu (keine Unterbrechung).
    3. Check-Out im Plenum: Zwei Worte zu den Fragen „Was nimmst du heute mit? Wie ist dein inneres Wetter?“

Es gibt selbstverständlich viele weitere Übungen – auf unterschiedlichsten Flughöhen: Hier unterscheiden die zwei von Connected Business zwischen den kleinen, leicht integrierbaren Impulsen (wie 3x Atmen) und „formalen“ Trainings (wie Meditationsrunden). In längeren Prozessen und bei hohem Zeitinvest beinhaltet die Arbeit an der emotionalen Kompetenz auch „Body Work“ (also körperliche Übungen wie beispielsweise Yoga).

Fragen & Antworten

connected-businessEin paar Impulse aus der abschließenden Frage/Antwort-Runde: Das junge Unternehmen Connected Business hat sich bewusst (und gegen Ratschläge anderer) für das Herz im Logo entschieden – sie wollen, dass Kunden, die mit Ihnen zusammen arbeiten, wissen, es wird auch um Emotionen gehen. Sie arbeiten nicht mit dem trojanischen Pferd.

Nachdem Search Inside Yourself bei Google eingeführt wurde, gab es auch Kündigungen. Bei Google denkt man sich: In Ordnung so! Die Personen passen ggf. nicht zur Kultur und somit auch nicht in die Organisation.

Als Führungskraft habe ich achtsames Zuhören üben müssen. Es fiel mir anfangs schwer, meine Ratschläge zurückzuhalten, den Rahmen zu halten und nur zuzuhören. Als ich eines der ersten Gespräche mit einem Mitarbeiter so führte, verließ er nach einer halben Stunde mein Büro und sagte strahlend „Danke, das hat mir sehr geholfen“ – ich hatte nichts gesagt.‘

Es ist doch eigentlich absurd, dass wir uns mit all der Wissenschaft erklären und rechtfertigen müssen. Nur um mehr Menschlichkeit und Emotionen in Unternehmen zu bringen.“

Lesetipps

Und zu guter Letzt noch ein paar Lesetipps – für die, die tiefer in Methode und Thematik einsteigen möchten:

  • Tan, Chade-Meng: Search Inside Yourself: Optimiere dein Leben durch Achtsamkeit, Goldmann Verlag, 2015.
  • Goleman, David: EQ. Emotionale Intelligenz, 2. Aufl., dtv Verlag, 1997.
  • : The five keys to a successful Google team, November 2015, re:work Google Blog.

Meine persönliche Empfehlung: Wartet nicht darauf, dass irgendwer in eurer Organisation anfängt, stille Minuten einzuführen oder Meditationsrunden einführt.  Schlagt es in Meetings selbst vor – oder, wenn das noch ein Schritt zu groß gedacht ist, geht selbst bewusst in ein Meeting (z.B. mit einer Gehmeditation, mit 3 tiefen Atemzügen…) und schaut, was sich verändert. #bethechangeyouwanttosee

Wie immer freue ich mich über Feedback, Hinweise oder Kommentare.

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