Die flotten Drei – SuperCoop, Bias, Doppelpunkt & Gendern

Wieder eine Woche geschafft! Ich bin müde – nicht nur, weil mein Kind gerade einen Entwicklungssprung macht und daher unruhiger ist als sonst – sondern weil die Corona-Nachrichten diese Woche wirklich mürbe gemacht haben. Es gab aber auch in dieser Woche mindestens drei Lichtblicke:

#1 SuperCoop

In den Osram Höfen im Wedding eröffnet (voraussichtlich im Sommer 2022) ein genossenschaftlich geführter Supermarkt! Das Modell gibt es weltweit schon in vielen anderen Städten, nun kommt es nach Berlin. Wer will, kann für 110 EUR dabei sein (100 EUR Genossenschaftsanteil + 10 EUR Verwaltungsaufwand). Und so funktionierts: Es gibt ein paar festangestellte Mitarbeitende, die sich um die Koordination und Verwaltung kümmern; darüber hinaus muss jedes Mitglied 3 Stunden pro Monat für den Markt arbeiten. Ziel ist es, hochwertige Produkte (frisch, biologisch, regional) zu erschwinglichen Preisen anzubieten und gleichzeitig die Produzierenden fair zu bezahlen. 105 Mitglieder gibt es bereits, etwa 500 Mitglieder braucht es, damit die Idee langfristig fliegt.

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#2 Coded Bias

Hier müsst ihr leider schnell sein: Noch bis Montag um 16.30 Uhr könnt ihr den Film „Coded Bias“ (90 Min.) der Heinrich-Böll-Stiftung schauen. Der Film erklärt anhand von zahlreichen Beispielen, wie rassistisch und sexistisch künstliche Intelligenz sein kann und zeigt die Notwendigkeit eines rechtlichen Rahmens. Falls ihr es mit dem Film nicht schafft – dann einfach mal in diesen Blogartikel reinlesen.

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#3 Gender und Barrierefreiheit – der Mythos vom Doppelpunkt

Sowohl das missy Magazin (Ausgabe 02/2021, S.13) als auch der Deutschlandfunk beschäftigen sich mit der Frage, inwiefern Genderzeichen und Barrierefreiheit zusammengehen. Beide stellen fest: Weder Doppelpunkt noch Unterstrich oder Sternchen sind praktisch für Vorleseprogramme (sog. Screenreader) von Blinden und Sehbehinderten, da die Zeichen (und zwar alle, inkl. Doppelpunkt!) mitglesen werden und dies schnell nervig ist. Das missy Magazin spricht vom Mythos des Doppelpunktes und sammelt Argumente gegen diesen, denn im Gegensatz zum Sternchen regt er keine aktive Störung in den Sehgewohnheiten und damit kein Nachdenken über die binäre Vergeschlechtlichung der deutschen Sprache an. Unabhängig vom Zeichen wird es aber noch dauern bis Screenreader-Softwareprogramme zwischen Sonder- und Genderzeichen unterscheiden lernen, denn (1) Sprachausgaben sind Nischenprodukte, (2) sie werden meist im englischsprachigen Raum produziert, wo sich die Gender-Frage nicht stellt und (3) Gendern ist in jeder Sprache unterschiedlich. Die guten News: Der Blinden- und Sehbehindertenverband und der Bundesverband Trans* haben Kontakt zueinander aufgenommen. Ein erster Kompromiss wäre, dass wir viel öfter Wörter nutzen, die alle Personen einschließen und dabei ohne Sonderzeichen funktionieren, z.B. statt Moderator*innen moderierende Person. Hilfe bietet dabei ein Online-Lexikon, das zahlreiche genderneutrale Alternativen gesammelt hat. Das missy Magazin ist insgesamt schäfer in der Kritik und appeliert die eigenen Webseiten generell auf Blinden- und Sehbehinderten-Barrierefreiheit zu überprüfen, beispielsweise indem bei Bildern Unterschriften oder Alternativtexte hinzugefügt werden.

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Zum Online-Lexikon mit genderneutralen Alternativen

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